Journal of Ottoman Calligraphy

Lectures & Editorials on Calligraphy

Robespierre versus Bush: Über Grundsätze und Mittel der Politik (25.12.1793)

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Was denkt man sich eigentlich, wenn man die Betrachtungen des Maximilien anschaut, welche vor 200 Jahren über die Machtgelüste der Herrschaften reflektiert. Was hat sich geändert? Macht ist Macht nur die Vorzeichen sind verdreht.

Wir werden zunächst die Prinzipien und die notwendigen Aufgaben einer revolutionären Regierung entwickeln; dann werden wir die Kräfte aufzeigen, die danach trachten, eine solche Regierung bereits bei ihrer Geburt zu lähmen.

Die Theorie der revolutionären Regierung ist ebenso neu wie die Revolution, aus der diese Regierung entstanden ist. Man darf sie weder in den Büchern der politischen Schriftsteller suchen, die diese Revolution nicht vorausgesehen haben, noch in den Gesetzbüchern der Tyrannen, die sich damit zufrieden geben, ihre Macht zu missbrauchen, und die sich wenig um deren Legitimität kümmern.

Robespierre

Die Aristokraten fürchten sich vor diesem Begriff entweder, oder er dient ihnen zur Verleumdung. Für die Tyrannen ist er ein Skandal, für viele andere Leute ein Rätsel. Man wird dieses Wort allen erklären müssen, um wenigstens die guten Bürger für die Prinzipien des öffentlichen Wohls zu gewinnen.

Die Funktion der Regierung besteht darin, alle moralischen und physischen Kräfte der Nation auf das Ziel hinzulenken, zu dessen Verwirklichung sie eingesetzt ist. Das Ziel der konstitutionellen Regierung besteht darin, die Republik zu erhalten; das Ziel der revolutionären Regierung ist es, die Republik zu begründen. Die Revolution ist der Krieg der Freiheit gegen ihre Feinde; die Verfassung ist die Herrschaft der siegreichen und friedlichen Freiheit. Die revolutionäre Regierung muss daher außerordentlich aktiv sein, denn sie führt einen Krieg. Sie ist nicht einheitlichen und starren Regeln unterworfen, denn die Umstände, in denen sie sich befindet, sind stürmisch und bewegt, und sie ist ständig genötigt, neue und wirksame Kräfte gegen neue und dringende Gefahren zu entfalten.

Die konstitutionelle Regierung befasst sich hauptsächlich mit der Freiheit der Bürger, die revolutionäre Regierung mit der Freiheit des Staates. Unter dem konstitutionellen Regime genügt es fast, die einzelnen Bürger vor den Übergriffen der Staatsgewalt zu schützen; unter dem revolutionären Regime dagegen muss sich die Staatsgewalt selbst gegen alle Parteien, die sie angreifen, verteidigen. Die revolutionäre Regierung schuldet allen guten Bürgern den ganzen Schutz der Nation; den Feinden des Volkes schuldet sie den Tod.
Wenn die revolutionäre Regierung in ihrer Arbeit aktiver und freier sein muss als die gewöhnliche Regierung, ist sie deshalb weniger gerecht und weniger legitim? Nein, sie stützt sich auf das heiligste aller Gesetze, nämlich auf das Wohl des Volkes, und auf die unbestreitbarste alter Vollmachten, nämlich auf die Notwendigkeit. Auch ihre Regeln basieren auf Gerechtigkeit und öffentliche Ordnung. Mit Anarchie und Unordnung hat sie nichts gemein. Im Gegenteil!

Die ausländischen Mächte sind eine Zeitlang als Schiedsrichter der öffentlichen Ruhe aufgetreten. Nach ihrem Willen war Geld in Umlauf oder es verschwand. Wenn sie es wollten, hatte das Volk Brot; wenn sie es nicht wollten, gab es keines; auf ihr Signal hin bildeten sich vor den Türen der Bäckerläden lange Schlangen, und auf ihr Signal hin zerstreuten sie sich auch wieder. Sie umringen uns mit Meuchelmördern und Spionen. Wir wissen es, wir sehen es, und dennoch leben sie unter uns! Sie sind offenbar für das Schwert der Gesetze unerreichbar. Selbst heute noch ist es schwerer, einen bedeutenden Verschwörer zu bestrafen, als einen Freund der Freiheit der Verleumdung zu entreißen.
Kaum haben wir die falsche Philosophie entlarvt, die von den Feinden Frankreichs ausgeht und zu Ausschreitungen führt, kaum hat der Patriotismus auf dieser Tribüne das Wort “ultrarevolutionär” ausgesprochen, um diese Scheinphilosophie zu bezeichnen, beeilen sich schon die Verräter von Lyon und alle anderen Anhänger der Tyrannei, dieses Wort auf edle und glühende Patrioten anzuwenden, wenn diese das Volk und die Gesetze gerächt haben. Auf der einen Seite erneuern sie ihr altes System, die Freunde der Republik zu verfolgen, auf der anderen Seite fordern sie Nachsicht für jene Schurken, für die das Vaterland bluten musste. Was uns betrifft, so werden wir nur Krieg gegen die Engländer, gegen die Preußen, gegen die Österreicher und gegen ihre Verbündeten führen. Ihre Vertilgung ist unsere Antwort auf ihre Flugblätter. Gegen die Feinde im Inneren des Vaterlandes aber haben wir nur unseren Hass.

Nicht in den Herzen der Armen und der Patrioten muss die Angst vor dem Terror herrschen, sondern in den Schlupfwinkeln der fremden Briganten, wo man sich die Beute teilt und das Blut des französischen Volkes trinkt. Wir schlagen vor, ab sofort die Verurteilung jener Fremden und Generäle zu beschleunigen, die der Verschwörung mit den uns feindlichen Tyrannen beschuldigt werden.

Es genügt jedoch nicht, die Feinde des Vaterlandes mit Schrecken zu erfüllen, man muss zugleich seinen Verteidigern helfen. Wir verlangen von der Justiz einige Erleichterungen zugunsten der Soldaten, die für die Freiheit kämpfen und leiden. Die französische Armee ist nicht nur der Schrecken der Tyrannen, sie ist auch der Ruhm der Nation und der Menschheit. Auf ihrem Siegesmarsche rufen unsere tapferen Krieger “Es lebe die Republik”, sie sterben unter dem Eisen der Feinde, und ihr Ruf “Es lebe die Republik”, ihre letzten Worte, sind Hymnen an die Freiheit, ihre letzten Seufzer sind Huldigungen an das Vaterland.

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Written by calligrapher

March 17, 2006 at 1:31 am

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