Journal of Ottoman Calligraphy

Lectures & Editorials on Calligraphy

Archive for August 2005

Die Institutionalisierung des Islams – Der islamische Staat

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Auf erster Ebene erfuhr der Islam eine Institutionalisierung auf der Staatsebene. Die islamische Staatsbildung im Nahen und Mittleren Osten war das Werk der Khalifen, welche die Symbole für die islamischen Identität darstellten und als die Träger der muslimischen Zielvorstellung avisierten, die Welt nach der universalistischen Ideologie umzugestalten. Die Qualitäten einer Person und die Methoden ihrer Auswahl wurden am Ende des neuenten Jahrhunderts bis zum elften Jahrhundert entwickelt, wonach die eine charismatische Ausstrahlung als erwünscht galt. In der Realität veränderten die Khalife die Welt nicht, es zeigte vielmehr, wie in allen Gesellschaften, sich die Entwicklung, dass sie Führer von Eroberungsarmeen und Verwalter der imperialen Verwaltung waren.    

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August 7, 2005 at 7:32 pm

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Exkurs: Der Begriff des muslimischen Staates

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Die Begriffe des muslimischen Staates, der muslimischen religiösen Vereinigungen, Islamismus, islamischer Extreminismus, islamischer Fundamentalismus und der muslimischen Identität sind stets bezogen auf lokale und segmentäre Gruppen anzuwenden. Sie sind um den Vater der deutschen Soziologie, Max Weber, zu paraphisieren Idealtypen, welche sich in verschiedenen Abwandlungen und Kombinationen dazu eignen, muslimische Gesellschaften in verschiedenen Epochen und in anderen geographischen Teilen der Welt als den Nahen und Mittleren Osten zu analysieren.

Es bedeutet für den Gesamtprozeß der institutionellen Formation einer islamischen Gesellschaft, dass der Beginn der Institutionalisierung mit einem charismatischen Führer und visionären Bewegung einsetzt über den Prozeß der Transformation ihren Ausklang in der Umsetzung von Glaubensvorstellungen, Praktiken, Identitäten und Organisationen zwischen Atlas und Pamir findet.          

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August 7, 2005 at 6:52 pm

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Die Institutionalisierung des Islams – Die uneinheitlichen Eliten

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Die Offenbarung als Quelle manifestiert im Koran und die grundlegenden Ausführungen in der Sunna wurden als das Erbe des Propheten in die Gesellschaften durch zwei uneinheitliche Eliten hineingetragen. Auf der einen Seite entstand das Khalifat als Institution nach dem Ableben des Propheten, durch seine Nachfolger initiiert, welche sich als “Khalifen des Propheten” zu bezeichnen pflegten, auf der anderen Seite entwickelte sich die Ulama, als eine Elite von islamisch-religiösen Gelehrten, überdies entstanden Sufi-Orden.

Noch zu Zeiten des Propheten finden sich erste Ansätze, welche auf die künftige Herausbildung der genannten Eliten hinweisen. Zu Lebzeiten des Propheten bildete sich in der frühislamischen Gemeinschaft unter den Jünger eine ausgewählte Gruppe, welche sich mit dem Aufschreiben des Korans und mit der Memorisierung von Hadith beschäftigte, der Lebensunterhalt dieser Gruppe wurde durch die Gemeinde finanziert.

Beide Eliten versuchten nach der Regierungszeit der vier rechtsgeleiteten Khalifen als die ersten Meinungsverschiedenheiten über die Auslegung der Religion auftraten, die islamischen Werte und Identitäten einer bereits komplexen Kultur anzusinnen und sie nach ihrem eigenen Ethos nach ihren Interssen umzugestalten. Die Institutionlisierung des Islams gestaltete sich als ein hochkomplexer Prozeß verstärkt wurde dieser Prozeß durch das Einwirken der beiden Eliten auf die jeweilige Gesellschaften. Die auf der Staatsebene agierenden Khalifen versuchten die Reichsinstitutionen in das umzuwandeln, was später als islamische Staaten genannt wurden, während die Ulama und die Sufi-Orden als kommunale oder sektenartige Verbände sich organisierten. Dieser Entwicklung schloß sich das Bemühen der religiösen Elite an, islamische Symbole und Identitäten in die Kollektiveinrichtungen zu integrieren. Die Spannung zwischen beiden Eliten zieht sich durch die islamische Geschichte wie ein roter Faden durch und erlaubt heute ein Erklärungsansatz für die Renaissance des Islams nach der Säkularisierung im 19. und 20. Jahrhundert zu liefern. Der Dualismus beider Eliten ist charakteristisch für den Islam im Nahen und Mittleren Osten und tritt in abgewandelter Form in afrikanischen und asiatischen Gesellschaften zu Tage, welche zu islamisch geprägten Gesellschaften zählen. Historisch lässt sich an der Geschichte der Stadt Mekka, als Zentrum der islamischen Welt, dieser Dualismus nachzeichnen. Mekka als Heiligtum mit der symbolischen Kraft war stets ein Interessenstreitpunkt der Herrschenden in der islamischen Welt.

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August 7, 2005 at 6:51 pm

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Exkurs: Homo Islamicus

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Es sollte von Anbeginn an unmissverständlich deutlich sein, dass der Islam keine Kriegerreligion ist, – dass der Islam lediglich eine Weltkultur darstellt, die ein breites Spektrum von religiösen Ansichten und sozialen Ethiken der Offenbarung repräsentiert. Hierin liegt auch die große Problematik bei der Definition des “Homo islamicus”, wenn wir über die islamischen Welt sprechen, gar urteilen wollen. Hier bedarf es eine genaue Analyse der Erscheinungsformen des Islams in den Gesellschaften und Gemeinschaften, welche sie angenommen haben. Jede Art der Pauschalisierung über die islamische Umma und insbesondere über den Islamismus, was das auch sein mag, als eine universalistische Ideologie erscheint daher als ad absurdum, da der “Homo islamicus” zwischen Casablanca und Jakarta in divergierenden Lebensformen auftritt. Die kulturellen sowie gesellschaftlichen Axiome des Islams sind in jeder Gesellschaft unterschiedlich angelegt.    

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August 7, 2005 at 6:50 pm

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Die Institutionalisierung des Islams

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Die Institutionalisierung des Islams vollzog sich in verschiedenen Phasen. Die Schaffung einer muslimischen Gemeinde, aus welcher sich die erste frühislamische Gemeinschaft zuerst in Mekka, dann in Medina unter der Ägide des Propheten Mohammed entsteht, stellt die erste Phase als die sogenannte Gründungsphase. Sie umfasst den Lebensabschnitt des Propheten selbst und bildet einen Zeitraum von 23 Jahren nach der Offenbarung, diesem schließt sich die Regierungszeit der vier rechtsgeleiteten Khalifen an, welche in der islamischen Geschichtsschreibung als die Zeit der Hulafa-i Rashidun bekannt ist. Dies bedeutet die Ausbildung einer umfassenden, religiös definierten Gemeinschaft, welche als integrierende Kraft die Stammesgesellschaft etablierte. Der Prophet und seine Jünger, Sahaba-i-Kiram, sind die Elite, die eine segmentierte Gesellschaft der arabischen Stämme dahingehend transformieren, dass die islamische Gemeinschaft aus der Vermittlung zwischen Verwandschaftgruppen, der Wirtschaftregulierung, der Staatsbildung und der Moralreform dient. Bedeutend in der Tat ist , dass die Verwandschaftstrukturen von der gesellschaftlichen Transformation unberührt bleiben.

Das Wertesystem, welches aus der Koexistenz von segmentärer und religiöser Organisation besteht ist grundlegend komplex. Auf der prophetischen Ebene enthält der Koran und die Sunna das Prinzip der Vorstellung einer transzendenten Realität, die im Widerspruch zu der Stammeskultur steht. Die Offenbarungsvision stellt der Erweiterung des Stammesgruppen und der Kriegertugenden vorislamischer Zeit eine religiöse Bruderschaft und persönliche Askese entgegen. Diese ist gezeichnet durch Bescheidenheit, Demut, Selbstbeschränkung in der Gemeinschaft. Jedoch blieb die Stammeskultur bis zur heutigem Tage beibehalten, – die Familien-und Stammesstruktur der arabischen Völker von damals ist noch heute ein Teil der arabisch-islamischen Gesellschaftsstruktur. Die Beibehaltung von heidnischen Tugenden, in dem sie eine neue Bedeutung erhalten, zugleich die Konvertierung von anderen nicht-arabischen Völkern lässt den Islam als Religion äußerst pragmatisch erscheinen. Kulturtugenden und Rituale der eroberten Völker werden nicht abgelehnt, sie werden einer Transformation unterzogen, welche die heutige Vielfalt der islamischen Welt ausmacht.

Die islamischen Gesellschaften im Nahen und Mittleren Osten entstehen in der zweiten Phase der Institutionalisierung des Islams, welche durch Eroberungen im arabischen Raum miteinhergeht und den Zeitraum der vier erchtsgeleitetn Khalifen mitumfasst. In diese Phase ist auch die Entstehung eines prototypischen islamischen Staates zu datieren. Die muslimische Gemeinschaft erfährt ihre erste Differenzierung in eine Vielzahl von religiös-politischen Eliten und Verbänden, sowie Glaubensgemeinschaften. Diese Entwicklung ist verbunden mit einer Vervielfältigung der Orientierung gegenüber der irdischen Realität. In der Tat vollzieht sich die Institutionalisierung nicht in der Kontinuität von Hirten-und Oasengesellschaften, wo überwiegend die Stammesstrukturen wirken, sondern intern von Gesellschaften die landwirtschaftliche, ökonomisch, urban, imperial bestimmt sind. Die Gesellschaften waren auf verschiedener Ebene organisiert, bestanden aus zahlreichen Teil- Verwandschafts- Stammes- und Dorfgemeinschaften, welche durch die ökonomischen Tauschbeziehungen und durch die religiösen Gemeinschaften jüdischen, christlichen, zoroastrischen Ursprungs zusammen gehalten.          

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August 7, 2005 at 6:49 pm

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Über den Begriff der Umma

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Zum Verständnis des spezifischen Merkmals der universalistischen Ideologie im Islam ist der zentrale Begriff der Umma zu erwähnen. Sie wirkte, trotz der gescheiterten Versuche sie zu institutionalisieren stetig als ein religiös-ideologischer Orientierungspunkt. Das Ziel, die Vereinigung der politischen und der religiösen Sphären blieb als immerwährende Bestrebung, die von ihr ausgehenden weitreichenden Auswirkungen auf die politische und religiöse Entwicklung im Islam ist hier zu erwähnen. Daraus leiten sich die bedeutendsten Unterschiede zwischen den patrimonialen, imperialen und Stammesregimen im Islam ab. Die Kosequenz aus den genannten Faktoren hatte Auswirkungen auf die poltische und gesellschaftliche Dymanik der islamischen Zivilisation. Die Politik mit ihrem Bezug auf die Verantwortlichkeit der Regierenden und die Art der politischen Organisation zu untersuchen. Auf staatssymbolischer Ebene war die Erwartung an die Herrscher durch das Ideal der Aufrechterhaltung der Umma und die Verantwortlichkeit gegenüber derselben vorgesehen. In der frühislamischen Geschichte wurde die Forderung nach der Aufrechterhaltung der Umma wieder schnell aufgegeben, an ihre Stelle trat eine Theologie, welche jede Herrschaft der Anarchie vorzuziehen begann. Aufgrund der mangelnden durchorganisierten Struktur der religiösen Führung konnte sich keine autonome askriptive Basis bilden, welche eine politische Partizipation ermöglicht hätte. Die Partziption an der Herrschaft blieb nur auf bestimmte Bereiche, hauptsächlich auf höfische Clique und Bürokratie, beschränkt. Daher entwickelte sich in islamischen Gesellschaften keine wirksame Kontrollroutine durch die religiöse Elite gegenüber der Herrschaft.
Die islamische Gemeinschaft unterschied in der religiösen Führung zwei unterschiedliche Gruppen, welche in der Funktion als Wächter des islamischen Rechts auftraten. Die Führer der Sufi-Orden, auf der einen Seite, welche die mystische Ausrichtung des Islams vorantrieben und die Ulema, auf der anderen Seite, die als Gruppe der Rechtsgelehrten, welche für die Entwicklung des positiven Rechts in der Gemeinschaft Verantwiortung übernahm. Beide Gruppen traten als Partner in jeder denkbaren Koalition mit der politischen Führung auf, bildeten aber einen mächtigen Verbund bei jeder möglichen Konfrontation mit den Herrschenden. Von entscheidender Bedeutung ist die Tatsache dass die Ulema als Hüter der Gemeinschaft angesehen wurde und sich von den nicht-autonomen religiösen Gruppen in traditionalen Patrimonial- oder Stammesregimen unterschied.    

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August 7, 2005 at 6:48 pm

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Merkmale islamischer Gesellschaften

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In der Tat war es ein Merkmal islamischer Gesellschaften, welches den inneren politischen Einfluß von Sufi-Orden sehr oft mit einem äußeren Einfluß von Stämmen auf die Träger des idealen Islams verbunden zeigte. Die Mitglieder der Stämme vertraten bis zu einem Gewissen Grade die unverfälschte islamische politische Ordnung und Vision.

Es setzte sich eine sehr starke universalistische Ideologie im Islam durch, welche von Anfang an von einer Spannung beherrscht war. Es gab auf der einen Seite die partikularitischen primordialen arabischen Elemente, die mit den Trägern der islamischen Vision der Umma verbunden waren, auf der anderen Seite, setzte sich mit den Eroberungen anderer Völker und der damit einhergehenden Einverleibung von neuen Gebieten und ethnischen Gemeinschaften, eine universalistische Orientierung durch. Die universalistische Orientierung trat immer mehr in den Vordergrund, während zwei primordiale Aspekte in zentralen Bereichen des Islams weiterlebten:

1. Die Vorraussetzung für die Legitimation der Herrscher wurde von der Abstammung abhängig gemacht, obwohl die Nachfolge des Propheten in der frühislamischen Geschichte durch die Wahl des Abu Bakr als ersten Kalifen, welche mittelbar mit dem Propheten verwandt war, eine Wahl durch die islamische Gemeinschaft ein Konsensus darstellte. Die Zeit der vier Kalifen nach dem Tode des Propheten ist durch den Wechsel dieser Vorraussetzung gekennzeichnet. Abu Bakr, Omar und Osman sind im Gegensatz zu Ali, als Schwiegersohn des Propheten, mittelbar im Verwandschaftsverhältnis, wobei die Stammesangehörigkeit als Merkmal der Abstammung problematisch erscheint.

2. Die arabische Sprache als primordialer Aspekt blieb die Sprache des Islams, des Korans, des Gebets und auch der Rechtsauslegung. Diese Erscheinung steht im Gegensatz zu Judentum oder zum Christentum, – auch vor der Reformation in Europa wurden die Heiligen Bücher beider monotheistischer Religionen in verschiedenen Sprachen gelesen, so wurde die Bibel in Alexandria in Griechisch vorgetragen, wie auch die Liturgie der Ostkirchen in Griechisch gehlaten wurden.

Die Durchsetzung der universalistischen Ideologie brachte die sogenannte abbasidische Revolution, damit war die Verschiebung der Legitimationsgründe für die Herrschaft begründet. Nicht mehr direkte Abstammung vom Propheten und der Konsensus der Gemeinschaft zählten, vielmehr setzte sich die Auffassung durch, dass Seniorität und die Erfüllung des Willens des Propheten. Die abbasidische Revolution war tragend für die weitere Entwicklung der islamischen Gesellschaften im Nahen Osten. Die Institutionalisierung der universalistischen Vision durch die abbasidische Revolution, brachte als Konsequenz mit sich, dass eine Trennung der politischen und religiösen Eliten vollzogen wurde. Die Legitimation der Herrschaft der postabbasidischen Kalifen wurde von der religiösen Führung nur teilweise legitimiert. Es kam zu einer deutlichen Trennung der innerweltlichem und außerweltlichem Handeln mit einer starken Betonung des letzteren.

Die neuzeitliche Dissens zwischen den politischen und religiösen Eliten in den einzelnen islamischen Gesellschaften von Marokko bis nach Indonesien ist unter Berücksichtigung der historischen Dimension der abbasidischen Revolution zu verstehen. Die Säkularisierungstendenzen haben sich folglich seit zwei Jahrhunderten durch die historisch bedingte Trennung der politischen und religiösen Eliten in der gesamten islamischen Welt nicht durchsetzen können. Die Weigerung der religiösen Eliten die politische Herrschaft zu legitimieren fanden in den unteren Gesellschaftschichten als Träger der islamischen Vision ihre Zustimmung, während zeitgleich die politischen Eliten durch die Europäisierung den Kulturkampf innerhalb der islamischen Welt in verschiedenen islamischen Staaten je nach Ausbildung der gesellschaftllichen Bedingungen eher radikalisiert haben. Die Abkehr von westlichen Modellen nach Scheitern derselben stimuliert die Lösungssuche in der islamischen Zivislisation.    

Written by calligrapher

August 7, 2005 at 6:46 pm

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